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Karl May und der Esel oder: Es gibt keine Helden mehr

Ich gebe es zu. Als Kind habe ich Karl May verschlungen.  Jeden Band las ich mindestens zehnmal.

In letzter Zeit muss ich immer wieder an eine Szene aus „Durchs wilde Kurdistan“ denken. Unser Held, Kara Ben Nemsi , hält sich in einem kurdischen Bergdorf auf und wird mit einem lebenswichtigen Problem konfrontiert: Ein Esel im Dorf schreit nächtelang durch und die Bewohner sind schlaflos. Schlaflos in Kurdistan quasi. Kara Ben Nemsi kennt natürlich die Ursache und weiß selbstverständlich die Lösung: Der Esel schreit, weil er Angst im Dunkeln hat. Und mit seiner eigenen Stimme fühlt er sich nicht so alleine.

Weil der Esel immer den Schwanz hebt, wenn er schreit, rät Kara ben Nemsi dazu, dem Esel einen schweren Stein an den Schwanz zu binden. Gesagt – getan. Und siehe da, jedesmal, wenn der Esel zu m Schrei ansetzt, will er den Schwanz heben, was natürlich nicht geht. Also ist der Esel die ganze Nacht stille und damit beschäftigt, sich darüber zu wundern, dass er den Schwanz nicht anheben kann. Vermutlich vergisst er darüber auch seine Dunkelangst.

Als Kind hat mich diese Geschichte fasziniert. Heute auch noch. Vorallem dieses Gebrüll im Dunkeln.  Das kommt mir seltsam vertraut vor.  Bei den Nachrichten. Im Fernseher. Insbesondere bei den Berichterstattungen über so manche politische Versammlung, bzw. Veranstaltung.   Man müsste es wie Kara ben Nemsi machen. Die Brüller beschäftigen meine ich. Natürlich. Esel ist  eben Esel.

Übrigens wurden damals schon die Kurden von den Türken angegriffen. Doch Kara ben Nemsi weiß den Angriff abzuwehren. Ohne Blutvergießen. Natürlich. Aber es gibt keine Helden mehr. Leider. Heute fließt Blut. Viel Blut.  Aber damals gab es auch noch keinen Terror. Nur Krieg. Und Verfolgung. Hat sich nicht viel geändert in den letzten 150 Jahren.

Kara Ben Nemsi  aka Karl May würde heute vermutlich wegen eines Vergehens nach dem Tierschutzgesetz zur Anzeige gebracht. Aber der saß ja auch schon zu Lebzeiten im Gefängnis. Wenn auch aus anderen Gründen.

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